Stolperstein für Fritz Reinlein und gut besuchte Abendveranstaltung zur NS-Militärjustiz
Stolperstein für Fritz Reinlein und gut besuchte Abendveranstaltung zur NS-Militärjustiz
Seit dem 22.04.2026 liegt nun ein Stolperstein für einen ehemaligen Schüler direkt am Haupteingang der Schule: Viele aus der Schule, aber auch aus der Würzburger Öffentlichkeit und selbst Gäste aus Übersee waren gekommen, um live die Verlegung des Steines mitzubekommen.
Der Stein erinnert an Fritz Reinlein, der 1939 am RGW (damals noch Oberrealschule) Abitur machte und 1945 als Wehrmachtsangehöriger wegen sog. „Wehrkraftzersetzung“ erschossen wurde. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie hatte er nur gesagt: „Der Krieg ist nun verloren.“
Kurze Ansprachen wurden von Herrn Dr. Kocher als Hausherren, von Oberbürgermeister Martin Heilig, von Herrn Dr. Wolfgang Nürdling (Archivar der Schülerverbindung Abituria Wirceburgia und Pate für den Stein) und von Herrn Leonhard Bremer (Abitur 2019, W-Seminararbeit über Fritz Reinlein). Die Patenurkunde für Herrn Nüdling verlieh Jula Kwapik (Abitur 2025), die sich zusammen mit ihren Eltern im Arbeitskreis Würzburger Stolpersteine engagiert.
Besonders bemerkenswert war, dass sich erst am Abend zuvor eine Verwandte von Fritz Reinlein von sich aus meldete und spontan an der Verlegung am Vormittag und an der Abendveranstaltung teilnahm. Tief bewegt legte die Großcousine Frau Angelika Müller zusammen mit Herrn Dr. Mierau (Geschichtslehrer am RGW und Organisator der Verlegung) als Erste Rosen auf den frisch eingelassenen Stein.


Rund 250 Personen, darunter auch viel Prominenz, verfolgten die Abendveranstaltung: Eingerahmt von Musik, die den Nazis bestimmt nicht gefallen hätte (u. a. Jazz, Swing) stellte Miriam Fridgen ein Kunstprojekt zu Fritz Reinleins Abiturfoto vor. Anschließend hielten Emilia Altergott, Ida Bögelein und Hannah Braun (alle Q12) einen Live-Podcast zu Fritz Reinleins Leben. In einem Vortrag mit dem Titel „Täter in Roben“ behandelte dann Frau Elisabeth Kohlhaas (Leiterin des Erinnerungsortes Torgau) Verbrechen, Täter und Aufarbeitung der NS-Militärjustiz. Nach schwierigen und erschütternden Inhalten tat es gut, dass am Ende ein Zeichen der Hoffnung gesetzt wurde: Andreas Kleibe (Klasse 6b) spielte am Klavier ohne Noten das Präludium und Fuge in c-Moll von Johann Sebastian Bach.
Eine echte Teamleistung des RGW, die enorm viel Lob von verschiedenster Seite erfuhr!