„in vino veritas???“

Im Rahmen des W-Seminars „Weinbau und Weinanalytik“ haben 15 SchülerInnen je eine eigene wissenschaftliche Fragestellung verfolgt. Viele dieser Fragestellungen wurden experimentell und teilweise mit modernen Analyseverfahren beantwortet. Hierzu wurden Kooperationen mit Wissenschaftler der Universität Würzburg, der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie des Unternehmens Bionorica eingegangen.

Im Rahmen der Präsentationen gelingt es nun die einzelnen Aspekte des Themas zu einem umfassenden Gesamtbild zusammenzuführen. Die TeilnehmerInnen des Seminars präsentieren die Ergebnisse ihrer Arbeiten vor dem Plenum und stellen sich den interessierten Nachfragen des Auditoriums. Im Folgenden werden einige Aspekte der bislang vorgestellten Themen in näher erläutert:

 „Säuren im Wein – Weinsäure und Äpfelsäure“

Weine enthalten viele verschiedene organische Säuren. Apfel- und Weinsäure spielen als Inhaltsstoffe eine besonders entscheidende Rolle. Zur genaueren Untersuchung muss daher die Apfelsäure zunächst selektiv abgetrennt werden. Dies wurde mit Säulen erreicht, die einen speziellen Ionenaustauscher enthielten. Die quantitativ abgetrennte Apfelsäure aus vier verschiedenen Weinen wurde dann weiter mit Spezialchemikalien behandelt, sodass ein Farbstoff entstand. Die Konzentration des Farbstoffes wurde photometrisch bestimmt. Man konnte somit auf die ursprüngliche Konzentration der Apfelsäure im Wein zurückschließen. Die Weinsäure wurde als Tartrat gefällt und abgetrennt. Nach dem Lösen des Feststoffs erfolgte die Bestimmung des Säuregehalts durch Titration

 „Gesundheitsfördernde Stoffe im Wein“

Rotweine enthalten eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe, die im Körper verschieden wirken. Inbesondere Rotwein wird in Bezug auf kardiovaskuläre und auch andere Erkrankungen oftmals eine Schutzwirkung zugeschrieben. Zur Erklärung wird das Vorhandensein von Polyphenolen oder Flavonoiden herangezogen. Die Firma Bionorica untersucht daher das Potenzial von Weinen als Arzneimittel. Mehrere Weine wurden mit Hilfe einer HPLC aufgetrennt. Die abgetrennten Einzelbestandteile wurden weiter analysiert. Für diese aufwändigen analytischen Arbeiten stellte der Schüler selbstständig den Kontakt zu dem externen Partner her. Die Ergebnisse waren für alle überraschend. Der handelsübliche Supermarktwein zeigte einen höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen im Vergleich zu dem Produkt der Bionorica. Dies zeigt, dass sich die Methode des Phytoneering beim Wein noch in einem Anfangsstadium befindet und weiterentwickelt werden muss.

„Schwefelverbindungen im Wein“

Ausgehend von der Behauptung, dass sich ohne Schwefeldioxid / Sulfite kein trinkbarer Wein produzieren lässt, ist ein Schüler der Bedeutung der Schwefelverbindungen im Wein nachgegangen. Der Gehalt der Schwefelverbindungen wurde in unterschiedlichen Weinen bestimmt. Dabei wurde ein schwefelfreier Wein eines französischen Winzers untersucht und experimentell belegt, dass diesem keine Schwefelverbindungen zugesetzt wurden. Ein geringer Anteil an gebundenem Schwefel konnte allerdings nachgewiesen werden. Dieser stammt jedoch aus dem Prozess der Gärung bzw. dem Traubenmost.

Meilensteine

Die SchülerInnen haben ihre Arbeiten bereits im November abgegeben. Sie präsentieren Ihre Arbeiten noch bis Weihnachten vor dem gesamten Kurs. In dieser Phase werden die Einzelthemen als Facetten des Rahmenthemas vorgestellt und von allen Beteiligten diskutiert.

Die Umsetzung einzelner Aspekte oder Themen  in Projektphasen des Unterrichts anderer Klassen wird im nächsten Jahr diskutiert und nach einer Anpassung der Methoden frühestens im nächsten Schuljahr möglich sein. Hierfür werden beantragte Gerätschaften aus den Fördergeldern des Projekts angeschafft.

Christoph Baum

Röntgen-Gymnasium Würzburg

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